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Presseberichte 2004


Bergsträßer Anzeiger
Do.  30.12.04
Karl-Josef Bänker

Hospiz-Idee blüht inzwischen schneller und intensiver
Jede Spende bringt die Hospiz-Stiftung Bergstraße dem Traum vom eigenen Haus an der Bensheimer Kalkgasse einen Schritt näher

Früher sprach man nicht gerne drüber. Sich mit dem Hospiz-Gedanken zu befassen, war fast ein Tabuthema. Männer und Frauen wie Doris Kellermann und Dr. Wolfgang Nieswandt, die mitten im Leben stehen, haben inzwischen mehr als zehn Jahre kontinuierlich gearbeitet und einen Sinneswandel bewirkt.  

Mit ihrem Elan haben sie für die Idee geworben und Symbol- und Identifikationsfiguren gewonnen. Wenn sich Ehrenbürgermeister Georg Stolle, Kübelstiftungs-Vorstand Jörg Schmidt und Pfarrer Dr. Christoph Bergner für eine Sache einsetzen und der Hospiz-Stiftung vorstehen, dann hat man mehr als nur den bürgerlichen Mainstream. 

Seit wenigen Wochen hat man an der Bensheimer Kalkgasse zudem noch einen Bauplatz für das künftige Hospiz. Seitdem ist der Strom der Spenden angeschwollen. Hospizverein-Vorsitzender Nieswandt führt das darauf zurück, dass den Spendern plötzlich klar geworden ist: „Da ist schon etwas Konkretes. Die schaffen das!" Laut Nieswandt blüht die Hospiz-Idee schneller und intensiver als in der ganzen Zeit davor. 

Jede Spende bringt die Hospiz-Stiftung Bergstraße dem Traum vom eigenen Haus an der Bensheimer Kalkgasse einen Schritt näher. So waren natürlich auch die 1.200 Euro, die die BA-Redaktionssekretärin Evelyn Vossen stellvertretend für den Verlag überreichte, hoch willkommen. Das Geld stammt vom Spenden anlässlich der BA-Weihnachtsbaum-Aktion, wobei sich auch die Event-Partner Odenwaldquelle und Privatwaldbesitzer Rettig engagierten und der BA den Betrag aufrundete. 

Bislang hat die Stiftung mehr als 400 000 Euro auf der Haben-Seite, die von Finanzvorstand Schmidt verantwortet wird. Auf Grund verschiedener Indizien ist man sich sicher, dass relativ schnell relativ viel Geld fließen wird. Da die Hospiz-Idee inzwischen auch an der Bergstraße in den Köpfen „angekommen" ist, bekommen Verein und Stiftung auf jeden Quartalsbrief eine überraschend positive Resonanz. Gleichwohl halten alle, die in Stiftung und Verein Verantwortung tragen, die Luft an, dass möglichst bald die „kritische Masse" erreicht wird. So bezeichnet Schmidt die Summe, ab der das Haus gebaut werden kann, ohne von der Substanz der Stiftung zu zehren. Diese „kritische Masse" ist mit „zwei Millionen Euro" beziffert. 

Zwar klafft zwischen den vorhandenen 400 000 und den erforderlichen zwei Millionen Euro noch eine große Lücke, doch will man diese kreativ schließen. Mit einem Modell vom Hospiz wollen Nieswandt und seine Mitstreiter zeigen, „dass das ein Haus wird, in dem man leben kann". In diesem Frühjahr will man unter Architekten, die der Sache aufgeschlossen gegenüber stehen, einen kleinen Wettbewerb ausschreiben. Für das Sterbehaus am Bensheimer Kirchberg sind acht Zimmer geplant. 

Wer intensiv lebt, sollte sich zumindest gelegentlich mit dem Sterben auseinander setzen. Schon jetzt bieten die Hospizfachschwester Doris Kellermann und ihre Hospizhelfer Sterbebegleitung an, allein in den vergangenen zwölf Monaten in 56 Fällen. Ebenso häufig wurde im zur Neige gehenden Jahr übrigens von Angehörigen eine Trauerbegleitung genutzt.


Bergsträßer Anzeiger
Sa.  18.12.04
Glänzende Idee: Zahngold für die Hospiz-Stiftung Bergstraße
Spendenaktion soll zur Finanzierung von stationärem Hospiz in der Kalkgasse beitragen und viele Nachahmer motivieren 

Bensheim. Der Goldpreis ist so teuer wie seit 16 Jahren nicht mehr: 450 Dollar die Unze (31 Gramm). Rechtzeitig zur Wertentwicklung des Edelmetalls hatte der Bensheimer Zahnarzt Dr. Hans Jürgen Schmitt eine wahrlich glänzende Idee: Die Zahngold-Spende zu Gunsten der Bergsträßer Hospiz-Stiftung. 

"Hospiz ist Gold wert", heißt die clevere Aktion, die am Donnerstag offiziell angelaufen ist. Was für den einzelnen Patienten nur ein wertloses Stückchen "Zahnschrott ist, kann der Hospiz-Stiftung viel Geld einbringen, erklärt Schmitt in seiner Praxis. 

Statt die dentalen Überbleibsel in der heimischen Schublade verstauben zu lassen, können wohltätige Projekte von einer Verwertung des kostbaren Rohstoffs profitieren. Das funktioniert mit der Deutschen Lepra Stiftung ebenso wie für die Bergsträßer Hospiz-Initiative, mit der Schmitt durch die hauptamtliche Vereins‑Koordinatorin Jéca Blank in Kontakt gekommen ist. 

Für den Stiftungsvorstand Dr. Christoph Bergner ist die Aktion ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu einem stationären Hospiz. Mit der Übergabe des städtischen Grundstücks in der Kalkgasse hat der Verein mit seiner großen Vision bereits Tuchfühlung aufgenommen ‑ jetzt naht der Zieleinlauf. Im nächsten Jahr will die eigens gegründete Stiftung den Spendenmarathon zusätzlich anfeuern und großzügige Unterstützer finden. 

Das Gold-Projekt könnte an dem avisierten Haus für sterbende Menschen einen immensen Anteil haben, runde zwei Millionen Euro werden als unantastbares Stiftungsvermögen für den laufenden Betrieb benötigt, wie Dr. Wolfgang Nieswandt, Gründer der Bergsträßer Hospizarbeit, erklärt. 

Die ersten 10.000 Informationsblätter sind bereits gedruckt und wurden am Donnerstag in der Zahnarztpraxis von Dr. Schmitt ausgelegt. Gemeinsam mit einem eigens dafür vorgesehenen Couvert können nicht mehr benötigte Goldteile an den Hospiz-Verein geschickt werden, der den Erlös direkt an die Stiftung weiter leitet. 

Die Auslösung des Goldes aus den Zähnen ist ein aufwändiges Verfahren, das sich ausschließlich bei größeren Mengen rentiert, so Schmitt, der sich von der Sammelaktion viel Geld und ebenso viele Nachahmer erhofft. Durch das Aufspringen weiterer Zahnärzte könnte. das finanzielle Fundament der Stiftung schnell und deutlich größer werden. 

Der hohe Wert des speziellen Zahngoldes und die relativ weite Verbreitung des Rohstoffs stimmen auch den Stiftungsvorstand optimistisch. Gerade die kommenden Monate sind für Vorstandsmitglied Jörg Schmidt besonders wichtig. Die Konkretisierung des Hospizes durch das zentral gelegene Grundstück könnte sich positiv auf die Spendenbereitschaft auswirken, glaubt Schmidt: Im nächsten Jahr werden wir noch einmal Gas geben". Durch Zustiftungen will die Stiftung finanziell unabhängiger von Zuwendungen aus dem sozialen Topf werden. 

Zehn Jahre ist es her, als der Anästhesist Nieswandt mit seiner Idee von der Gründung eines Hospiz-Vereins auf die Suche nach personellen Mitstreitern ging. Mit der Hospiz-Fachschwester Doris Kellermann hat sich rasch ein motiviertes Duo gefunden, das mit wachsender Unterstützung bis heute 325 Mitglieder gefunden hat. 

Das Hospiz als stationäre Herberge für sterbenskranke Menschen soll auf rund 450 Quadratmetern Platz für bis zu acht Patienten bieten. Die Kalkgasse kommt dem Verein sehr gelegen, da das Grundstück zentral gelegen und in ruhiger Umgebung angesiedelt ist. 

Hospizarbeit versteht sich als Sterbebegleitung ausschließlich durch ausgebildete ehrenamtliche Hospizhelfer. Gemeinsam mit Ärzten, Pflegern, Pfarrern und Sozialarbeitern stehen sie sterbenden Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt zur Seite und ermöglichen eine Betreuung in vertrauter Umgebung. Weil eine häusliche Betreuung unter Einbeziehung der Angehörigen nicht immer möglich ist, ergänzen stationäre Hospize die Arbeit in Krankenhäusern und Pflegeheimen, wo eine intensive und kompetente Sterbebegleitung kaum zu leisten ist. Das Haus in der Kalkgasse wird das erste Hospiz an der Bergstraße sein. 

Fest steht: „Hospiz ist Gold wert“. Zur Verwertung des Edelmetalls eignen sich übrigens nicht nur frisch entfernte Zahnteile, sondern auch jene, die bereits ein paar Jahre zwecklos in der Schatulle einstauben. So wird aus altem Zahnschrott das Fundament für ein humanitäres Projekt erster Kategorie.       tr


Bergsträßer Anzeiger
Mo.  22.11.04
Karl-Josef Bänker 
Hospiz und Häppchen – Kür und Pflicht
Für Bürgermeister Thorsten Herrmann war der 23. November ein (fast) normaler Arbeitstag

13 Uhr, Ortstermin an der Kalkgasse. Eines ernsten Themas freudiger Anlass. Es findet die Besichtigung des Platzes statt, auf dem die Hospiz-Stiftung Bergstraße ein Haus bauen will. Bürgermeister Thorsten Herrmann stellt den Anwesenden die Fakten vor: 2.000 Quadratmeter eines doppelt so großen städtischen Grundstücks bekommt die Stiftung in Erbpacht. 

Die Versammelten gratulieren dem Bürgermeister. Für die von ihm in die Wege geleitete Entscheidung und zu seinem Geburtstag. Nach der Kür zwei Stunden zuvor, als geladene Gäste im Sitzungssaal Lobreden hielten und Häppchen aßen, hatte den Verwaltungschef der Alltag wieder. 

Jörg Schmidt, mit Ehrenbürgermeister Georg Stolle und Pfarrer Dr. Christoph Bergner, Vorstand der Stiftung, spricht von einem „Meilenstein" Jetzt braucht man „nur noch" Geld für den Bau des Hospizes mit rund 450 Quadratmetern Nutzfläche und ein Stiftungsvermögen von zwei Millionen Euro, damit man aus den Zinsen den Unterhalt ohne Substanzverlust zahlen kann. Stolle geht aus der Reserve, wie man es zu seinen Amtszeiten nicht kannte. „Wir sind auf Spenden angewiesen. Wir würden uns freuen, wenn Sie die Kontonummer nennen würden", bat er im Stile eines Philipp Zimmermann. Alle nickten – auch das Geburtstagskind. Also: Hospiz-Stiftung Bergstraße, Sparkasse Bensheim, Konto 503 000 2. 

Zehn Jahre ist es her, seit der Anästhesist Dr. Wolfgang Nieswandt mit seiner Idee von der Gründung eines Hospizvereins missionierte. 330 Bensheimer haben sich ihm inzwischen angeschlossen. In sieben weiteren Vereinen oder Gruppen im Kreis fand der Gedanke Widerhall. Diese Gruppen schlossen sich zu der Stiftung zusammen. 

Bensheim war in zwei Dingen weit voran. Unter Stolles Ägide bewilligte die Stadtverordnetenversammlung pro Einwohner eine Mark als Anschubfinanzierung für die Arbeit des Vereins. Nachfolger Herrmann toppt die Tradition, indem er das große Grundstück am Fuß des Bensheimer Hausbergs zu Verfügung stellt.  

Herrmann stattete an Ort und Stelle Dank ab. Dr. Nieswandt dankte er dafür, dass er den Hospiz-Gedanken in der Stadt vorangetrieben hat, Stolle gratulierte er dazu, die Idee verankert zu haben. Das war die Plattform für alles, was folgt. 

Der Lindenfelser Pfarrer Herbert Iglhaut ist der Vorsitzende des Beirates. Der Gottesmann freute sich besonders darüber, dass in der Stiftung Oekumene gelebt wird; die Institution hat es geschafft, katholisch, protestantisch und weltlich ausgerichtete Hospizvereine aus dem Kreis zu einer Stiftung zu bündeln. 

Vor allem freut sich Doris Kellermann. Die Hospiz-Fachkraft, die sich ehrenamtlich seit Jahren der guten Sache widmet, wird bald ihren Wirkungskreis vergrößern können. Acht Plätze soll das neue Haus bekommen, in dem Sterbende würdevoll aus der Welt gehen können. 

„Die meisten alten Menschen haben keine Angst vor dem Tod; die meisten haben Angst vor dem qualvollen Sterben", sagte Pfarrer Iglhaut. Der in Ehren ergraute Pfarrer wurde schon zu vielen Sterbenden gerufen. Und wenn die Familien nicht mehr in Takt sind und das Sterben gesellschaftlich tabuisiert wird, dann ist eine Einrichtung wie die eines Sterbehauses ein Akt der Humanität.

An den Tod denkt keiner gern. Sich der Endlichkeit des Irdischen bewusst zu werden, ist an einem 40. Geburtstag keine ganz leichte Aufgabe, wenn man zwei Stunden zuvor auf ein langes Leben angestoßen hat.


Bergsträßer Anzeiger
Mo.  22.11.04
Das Ziel rückt näher: Grundstück für stationäres Hospiz

Bürgermeister Herrmann spendiert Bauplatz in der Kalkgasse/Viele Besucher beim dritten Bergsträßer Hospiztag

Bensheim. Die Stadt Bensheim hat dem Hospiz-Verein ein Grundstück geschenkt. Die beste Nachricht des Tages hatte Bürgermeister Thorsten Herrmann schon am Vormittag verkündet. Damit ist die Stiftung ihrem großen Ziel ein gewaltiges Stück näher gekommen: Der Einrichtung und wirtschaftlich autarken Führung eines stationären Hospizes in Bensheim und damit dem Ausbau eines engmaschigen Versorgungsnetzes im gesamten Kreis Bergstraße. 

„Jetzt müssen wir loslegen“ – der Optimismus von Vorstandsmitglied Jörg Schmidt war beispielhaft für die gute Stimmung beim 3. Bergsträßer Hospiztag, zu dem am Samstag rund 150 Teilnehmer in die Bensheimer Liebfrauenschule gekommen waren. 

Rechtzeitig zum zehnten Jubiläum des Hospizvereins und zweieinhalb Jahre nach der Stiftungs-Gründung hat die lange Suche nach einem geeigneten Standort ein Ende. Die hauptamtliche Hospizmitarbeiterin und Fachschwester für Schmerztherapie Doris Kellermann bezeichnete die städtische Entscheidung als gelungene Überraschung und positives Zeichen für die Zukunft des Vereins. Mit der Übertragung des Grundstücks in der Bensheimer Kalkgasse will die Stadt auch ein Motivatior für die anderen Gemeinden sein. Eine weitere finanzielle Unterstützung sei damit aber vorerst ausgeschlossen, so Herrmann. 

Jörg Schmidt ist zuversichtlich, dass konkrete Planungen die Bereitschaft zur Unterstützung ankurbeln und das stationäre Hospiz über kurz oder lang realisiert werde. Die 2002 ins Leben gerufene Stiftung soll die Hospizarbeit unabhängig von dünnen Sozialhaushalten und schmächtigen Zuschüssen machen. Mit einer Zustiftung des Kreistages über 250 000 Euro Startkapital und 20 500 Euro von der Bensheimer Stadtverordnetenversammlung hatte die Stiftung ein stabiles Fundament gelegt. Eine Bensheimer Familie hat kürzlich weitere 250 000 Euro zugesagt.  

Geld zum Planen, aber nicht genug. Die Stiftung, der alle acht Hospizgruppen des Kreises angehören, rechnet mit einem unantastbaren Grundkapital von rund zwei Millionen Euro, um das Haus dauerhaft und sicher in Betrieb zu halten. Der Schritt ins Licht der Öffentlichkeit und die Aufklärung über die Vereinsarbeit ist dabei ein wesentlicher.  

Der 3. Hospiztag hätte abwechslungsreicher und reibungsloser nicht verlaufen können, erklärte Doris Kellermann. In elf Workshops beschäftigten sich die Besucher mit Themen wie Schmerztherapie, Sterbehilfe, Trauerarbeit und rechtlichen Aspekten der Betreuung. Unter dem Titel „Einsamkeit des Sterbens“ präsentierte der Schauspieler Walter Renneisen nachdenkliche und humorvolle Texte zum Thema. Von Kästner über Jandl bis Brecht reichte die hervorragende Auswahl, mit der Renneisen das Publikum begeisterte. 

Über „Die moderne Hospizbewegung in Deutschland auf dem Weg ins öffentliche Bewusstsein“ referierte Dr. med. Oliver Seitz, Autor des gleichnamigen Buches. Seitz berichtete über Ursprünge und Perspektiven der Hospizarbeit, deren Stellenwert auch an der Bergstraße erheblich gewachsen ist. Die Früchte des Engagements sind unübersehbar. In zehn Jahren hat sich der Hospiz-Verein-Bergstraße mit etlichen Schulungen, Aktionen und Veranstaltungen ein unverwechselbares Profil gegeben und sich kontinuierlich weiterentwickelt. Über 90 Hospizhelferinnen und Helfer wurden geschult, neben Doris Kellermann und der Koordinatorin Jeca Blank wurde jüngst Pia Sartorius als zweite palliativmedizinische Fachkraft eingestellt.  

Neben Aufklärung und Ausbildung liegt dem Verein vor allem die Enttabuisierung des Themas Sterben am Herzen, erklärte der erste Vorsitzende Dr. Wolfgang Nieswandt bei der Podiumsdiskussion über die Zukunft der Bergsträßer Hospizbewegung. Moderiert wurde das Gespräch von Dr. Jürgen Wüst vom Institut für Organisationskommunikation IFOK. 

Das Modell der Stiftung als eigenständiges Finanzierungskonzept funktioniert nur mit der Basis von ehrenamtlichen Mitarbeitern, betonte der Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernent Jürgen Lehmberg, der die junge Stiftungs-Biographie als innovativen Erfolgsweg lobte. Durch das Startkapital als stabile Ressource soll das Überleben der Stiftung gesichert werden – immerhin sind in Hessen bereits drei Hospize an chronischem Geldmangel verstorben. „Die Unterstützung im Kreis ist sehr gut. Wir dürfen aber nicht nur nach dem Staat schreien, sondern müssen selbst Änderungen vornehmen“, betonte Nieswandt. 

Die recht bescheidenen Zuschussbeträge machen die Sache nicht leichter. Wie Helmuth Geyer von der AOK Hessen erklärt, könne eine finanzielle Förderung des Gesetzgebers erfolgen, sprich: Groschenbeiträge für ambulante Hospize und den üblichen Pflegesatz für die stationären Einrichtungen. Auch vom Kreis seien derzeit noch keinen finanziellen Patentrezepte und effektive Kooperationskonzepte mit den Krankenkassen zu erwarten, so Jürgen Lehmberg, der sich ein Ende der Bergsträßer Hospizarbeit nicht vorstellen kann. Lehmberg will die Beratungsangebote im Kreis vergrößern und die Kontakte mit dem Verein künftig weiter intensivieren. Ein Stiftungsmodell kann den Tropf der Sozialsysteme vernachlässigen und zwangsläufige Finanzengpässe abdecken, wenn sie dauerhaft auf kräftigen Füßen steht. „Wir brauchen mehr Köpfe und Hände“, appelliert der Vorsitzende auch Richtung Kirche, mit der künftig eine verstärkte Zusammenarbeit stattfinden soll. 

Auch für Günter Bartels ist ein Schulterschluss mit dem überkonfessionellen Hospiz-Team wünschenswert. Trotz Geld, Gesetz und Gruppendynamik will Doris Kellermann den humanen Aspekt nicht vernachlässigt sehen. „Der ideelle Wert ist unser Antrieb. Es geht vorrangig um den Menschen und eine kompetente und dauerhafte Hospizarbeit.“


Frankfurter Rundschau
Di.  23.11.04
Ein eigenes Haus für die letzten Tage
Magistrat übergibt der Bergsträßer Hospiz-Stiftung ein Gründstück / Kreis geht mit Stiftungsmodell neuen Weg

Die acht Hospiz-Gruppen des Kreises, die 2002 die Hospiz-Stiftung Bergstraße gründeten, sind dem Bau eines stationären Hospizes ein gutes Stück näher gekommen. Die Stadt Bensheim hat jetzt ein Grundstück in Erbbaupacht zur Verfügung gestellt.

VON YASEMIN YÜKSEL UND FRANK W. METHLOW

Bensheim · 23. November · "Wir waren verblüfft, ja völlig überrascht", beschreibt Doris Kellermann, hauptamtliche Mitarbeiterin im Hospiz-Verein Bergstraße, die Reaktionen anlässlich der Übergabe des Bauplatzes durch Bensheims Bürgermeister Thorsten Herrmann (CDU). Mit dem rund 1000 Quadratmeter großen Grundstück an der Kalkgasse, unterhalb des Stadtparks, ist der ideale Bauplatz gefunden: "Das Areal ist sehr geeignet", sagt Jörg Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Hospiz-Stiftung, "es ist zentrumsnah, rundherum ist viel Grün."

"Ein großer Erfolg" auch für den "Geburtshelfer" der Stiftung, Landrat Matthias Wilkes (CDU). Das gemeinsame Vorgehen der Hospizvereine und die Gründung einer Stiftung seien der einzig mögliche Weg gewesen, mit einer stationären Einrichtungen allein stehenden alten Menschen ihre letzten Tage menschenwürdig zu gestalten. Mit dem in der Bundesrepublik bisher einmaligen Modell werde es gelingen, "dass das Hospiz auch in Zukunft nicht am Tropf der öffentlichen Hand hängt".

Acht Betten
Da es sich bei dem derzeit unbebauten Grundstück um kein Wohngrundstück handle, werde die Stiftung es voraussichtlich zu einem günstigen Zins pachten können, der bei etwa drei Prozent liege, hofft Jörg Schmidt. Der jetzt zu planende Hospizbau soll eine Kapazität von acht Betten haben.

Zwar sei mit dem Grundstück ein großer Schritt gelungen, so Schmidt, doch nun müsse weiter akquiriert werden. Das Stiftungskapital betrage derzeit etwa 375 000 Euro, so Schmidt. Grob geschätzt, fehlten noch zwei Millionen Euro, um völlig unabhängig von Drittmitteln zu operieren. Darum wird die weitere Arbeit der Stiftung "von einer enormen Öffentlichkeitsarbeit begleitet werden müssen".

Schon haben einige Gemeinden des Kreises ebenfalls in den Stiftungstopf eingezahlt. "Noch nicht alle", erläutert Wilkes, "aber wir hoffen, dass die Fehlenden noch kommen werden." Vom Kreis selbst sind 
250 000 Euro als Anschub eingezahlt worden - eine Entscheidung, die der Kreistag einstimmig beschlossen hat.

Sterben und Tod seien noch immer Tabuthemen in der Gesellschaft. In der Konsequenz zeige mancher Geldgeber tendenziell eine höhere Bereitschaft, für den Bereich Kind und Familie zu spenden, weil dies zukunftsweisender erschiene.

Doch gerade angesichts des demografischen Wandels ist die Unterstützung der Hospizarbeit eine Investition in die Zukunft. Dies betont auch Bensheims Bürgermeister Thorsten Herrmann (CDU): "Noch haben wir in Bensheim einen Netto-Zuwachs bei den Einwohnern, vor allem junge Familien kommen zu uns, doch das kann sich 2020 schon drastisch verschieben."

Der Magistrat werde das Projekt im Rahmen seiner Möglichkeit unterstützen, so Herrmann. Und noch etwas: "Dies ist ein Beispiel für die gute kommunale Zusammenarbeit - gute Projekte an einer Stelle zu bündeln, kann richtig sein."

50 Cent pro Einwohner
Angesichts der finanziellen Situation der Kommunen sei die Unterstützung des Magistrats - und des Kreises - schon enorm, sagte Schmidt. "Der Kreis ist mit seiner Einlage mit gutem Beispiel vorangegangen." Die Stadt Bensheim hatte sich, entsprechend einer Zusage, die die Gemeinden zur Stiftungsgründung gemacht hatten, ebenfalls mit 50 Cent pro Bürger beteiligt. So sind 20 500 Euro zusammen gekommen. "Hier sollten doch noch einige Kommunen nachziehen und dem Beispiel folgen.", meint auch Herrmann

Aber ohne die gemeinsame Unterstützung aller Hospizgruppen, so Kellermann, wäre das Hospiz nicht möglich: "Wir ordnen uns dem gemeinsamen Ziel unter."


aus: www.marktplatz-bergstrasse.de
21.11.2004

Basis für stationäres Hospiz
3. Bergsträßer Hospiztag: Zum zehnjährigen Jubiläum des Hospiz-Vereins Bergstraße überlässt Bensheim der Stiftung ein Grundstück – Ja zu Sterben in Würde, Nein zu Sterbehilfe


Kreis Bergstraße/Bensheim (ofi). Die Bergsträßer Hospizbewegung ist auf gutem Weg: Die im Oktober 2001 zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossenen acht Vereine und Organisationen darf darauf hoffen, dass absehbar das gewünschte stationäre Hospiz gebaut werden kann. Bensheims Bürgermeister Thorsten Herrmann überbrachte zur Eröffnung des dritten Bergsträßer Hospiztages am Samstag die frohe Kunde: Die Stadt wird der durch kräftiges Zutun des Kreises Bergstraße im Frühjahr 2002 gegründeten Hospizstiftung ein Grundstück in der Innenstadt überlassen. Die etwa hundert Teilnehmer in der Liebfrauenschule (LFS) dankten mit kräftigem Beifall.

Dass die Stadt über das in Erbaupacht zur Verfügung gestellte Grundstück ob der anhaltenden Finanznot sich nicht weiter engagieren kann, spielte dabei nur eine Nebenrolle. Die Entscheidung des Magistrats ist ein unerwartetes Geschenk zum zehnjährigen Jubiläum des Hospiz-Vereins Bergstraße. Politisch ist es ein eindeutiges Signal an die übrigen Kommunen – der Kreis hat mit einer Einlage von 250.000 Euro in die Stiftung ein Beispiel gegeben – gleichfalls mitzutun und ihren Beitrag zu leisten.

Planziel ist ein Stiftungskapital von zwei Millionen Euro Dass ein Bensheimer Privatmann unmittelbar nach Gründung der Stiftung gleichfalls 250.000 Euro avisiert hat, könnte der Beginn einer Bürgerbewegung sein.. Kurz- bis mittelfristig gilt jetzt das Bemühen der Verantwortlichen, Planung und Finanzierung des stationären Hospizes mit sechs bis acht Betten voranzutreiben.

Mit Etablierung einer solchen Einrichtung ist vor allem menschliche Begleitung und Beistand für Sterbende und Angehörige verbunden. Allen Vereinen und Gruppen an der Bergstraße, im Ried und im Überwald oder Weschnitztal ist ein Ziel gleich: Die Menschen sollen nicht alleine gelassen, sondern mit Respekt und Anstand begleitet werden, wenn ihr Leben zu Ende geht.

Dr. Oliver Seitz machte in seinem einführenden Referat deutlich, dass es bei der Sterbebegleitung im wahrsten Wortsinne um das Beistehen geht und nicht darum, das “Leben maximal zu verlängern oder künstlich zu verkürzen” geht. Es gilt einfach gesagt, das Sterben als Teil des Lebens zu begreifen, machte der Autor des Buches „Die moderne Hospizbewegung in Deutschland auf dem Weg ins öffentliche Bewusstsein“ deutlich. Die Frage nach der kontrovers diskutierten aktiven Sterbehilfe stellt sich deshalb nicht. In dieser Einschätzung ist er sich mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Michael Meister einig, für den das ungeteilte Ja zur Sterbebegleitung genauso wenig zu diskutieren ist das Nein zur aktiven Sterbehilfe.

Dass die Hospizbewegung bei uns deutlich verspätet auf die politische Tagesordnung gesetzt wurde, begründet der Wissenschaftler und Mediziner Dr. Seitz mit anfänglichen Informationsdefiziten und Vorurteilen, die in eine kollektives Missverständnis mündete, die Sterbebegleitung sei Sterbehilfe oder habe womöglich ihre Parallelen zu der verbrecherischen Euthanasie der Nationalsozialisten. Dass nach langem Anlauf die bereits vor Jahrhunderten praktizierte Betreuung von Sterbenden als zentralen Teil einer Sterbekultur inzwischen fester Bestandteil der öffentlichen Diskussion in Deutschland ist, bewertet Dr. Seitz als Ergebnis einer steigen Arbeit „von unten“, will heißen der vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer.

Der dritte Bergsträßer Hospiztag in Bensheim packte die Gelegenheit beim Schopf, die Ideen und Vorstellungen öffentlich zu machen. In acht Arbeitsgruppen wurden alle Facetten des sensiblen Themas diskutiert und in einem abschließenden Podiumsgespräch für das recht auf ein „Sterben in Würde“ bekräftigt. Dass dies trotz aller Fortschritte in unserer hochtechnisierten Welt der Kliniken und Krankenhäuser längst nicht Alttag ist, wissen die Beteiligten. Von bundesweit 800.000 Menschen werden nach Schätzungen lediglich 30.000 todkranke Männer und Frauen von zumeist ehrenamtlichen Hospiz-Vereinen betreut.

Im Kreis Bergstraße sind folgende Initiativen tätig: Hospiz-Verein Bergstraße, die Hospiz-Initiative Ried, der Viernheimer Hospizverein, die Hospizhilfe Birkenau/Reisen bei der Diakoniestation Birkenau, die Hospiz-Initiative beim Evangelischen Pfarramt Lindenfels, die Hospizdienste im Evangelischen Dekanat Bergstraße-Süd und die Hospizinitiative bei der Caritas- und Diakoniestation in Neckarsteinach und Hirschhorn.
 


Bergsträßer Anzeiger
Mo.  03.05.
04
Renneisen brilliert: Halb zog er sie, halb sank es hin 
Künstler begeistert Publikum mit Balladen von Goethe bis Kästner / Literarischer Benefizabend
 

Balladen, gute zumindest, wollen laut gelesen sein. Das Dramatische muss durchexerziert werden, ohne ins Komische zu schwappen. Feine Poesie braucht zarte Stimmbänder, heitere Zeilen verlangen nach beschwingter Prosodie und mächtige Verse verabscheuen eine hasenfüßige Betonung. 

In den seltenen Fällen sprachkünstlerischer Präsenz ist das geneigte Hören von Balladen und Gedichten ein außerordentlicher Genuss, der die selbst gestaltete Lektüre um Längen schlägt.  

Walter Renneisen ist so ein Glücksfall: Wenn der in Auerbach lebende Künstler auf der Bühne steht und rezitiert, werden die Ohren zum Zuhören gezwungen und der Geist entführt in eine Welt literarischer Brillanz. Am Freitag begeisterte Renneisen sein Publikum mit einem Balladenabend von besonderer Güte: „Wer reitet so spät..." war ein anspruchsvolles wie variantenreiches Programm passend zur Walpurgisnacht, mit Balladen von Goethe bis Kästner, von Heine bis Ringelnatz.  

Die Benefizveranstaltung des Lions Club Bergstraße zu Gunsten der Hospizstiftung war ein Schwelgen in literarischen Kostbarkeiten mit einigen der schönsten Texte aus dem Fundus deutscher Edelschreiber.  

„Halb zog sie ihn, halb sank er hin“ – berühmtes Zitat, dessen Herkunft vielen unbekannt ist. „Der Fischer“ von Goethe („Das Wasser rauscht, das Wasser schwoll…“) war eine der lyrischen Perlen, die Renneisen mit rhetorischer Kraft vorzutragen wusste. 

Der erste Teil gehörte ganz dem Geheimrat: „Der König von Thule“ und der „Zauberlehrling“ sind sattsam bekannte, doch stets aufs Neue begeisternde Meisterwerke, die in ihrer vollendeten Klarheit, in freimütiger und humorvoller Art und bisweilen perfekter Schlichtheit erfreuen. 

Frühe Stücke wie „Pygmalion“, „Der untreue Knabe“ und natürlich den „Erlkönig“ liest Renneisen so, als ob die Texte zum ersten Mal vorgetragen würden: voll anerkennender Begeisterung, Respekt und in einem Ton, der das Publikum hineinzieht in die teils komischen, teils dramatischen Ereignisse der Werke. 

Renneisens Stimme ist unverwechselbar, seine gestische und mimische Untermalung von exakt dosierter Prägnanz. Man merkt kaum, dass er liest. Gottfried Kellers satirischer „Revoluzzer“ („Wie man revoluzzt und dabei noch Lampen putzt“) und Heines „Belsazar“, die saloppen und gescheiten Stücke eines Erich Kästner, allen voran „Die Ballade vom Nachahmungstrieb“ und der brillant sarkastische „Maskenball im Hochgebirge“, erweckt Renneisen auf der Bühne zu neuem Leben. 

Doch auch die allgemein weniger bekannten Balladendichter kommen vor: Adolf Glasbrenner, Fritz Grasshoff und Ferdinand Freiligrath. Wunderbar skurril Ringelnatz’ „Männliche Briefmark“, die es genießt, von einer schönen Prinzessin „beleckt“ zu werden. Und Conrad Ferdinand Meyers „Die Füße im Feuer“ gehört ohnehin zum bildstärksten und lebendigsten, was sich vortragen lässt: Wenn Blitze „wilde zucken“ und fahles Licht die Welt durchdringt, ist die Walpurgisnacht nicht fern. 

Mit Gustavs Schwabs „Gewitter“ schafft Renneisen eine düstere Atmosphäre im Parktheater, die von Heinz Erhards „Unwetter“ durchaus aufgehellt wird. Selbst die bisweilen verklemmt wirkenden Texte des sich selbst infantilisierenden Erhard werden von Walter Renneisens Vortragskunst geadelt.

Einen Abend nur Balladen – das gelingt selten und dann, wenn ein Sprechkünstler ein Programm zusammenstellt, das in seiner literarischen Breite und stimmlichen Dichte derart vollendet ist. Renneisen und sein Publikum: Halb zog er sie, halb sank es hin. Die Entstaubung einiger alter Klassiker dürfte vielen der anwesenden Gästen dieser Tage am Herzen liegen.      tr
 


Rhein-Neckar-Zeitung
24. Januar 2004
Zuerst braucht es ein geeignetes Haus
Hospizstiftung plant stationäre Einrichtung mit acht Betten für todkranke Menschen

Im direkten Dialog lassen sich Probleme eben am besten klären, kann man über offene Fragen sprechen oder auch Informationen austauschen: Weil auch Landrat Matthias Wilkes (CDU) davon überzeugt ist, hatte der Verwaltungschef die Vertreter der acht Hospizgruppen im Kreis Bergstraße und Hessens Sozialministerin Silke Lautenschläger zu einem Gespräch ins Landratsamt eingeladen. Im Ziel sind sich die seit September 2001 in einer Interessensgemeinschaft zusammengeschlossenen Hospizgruppen unter Vorsitz von Dr. Wolfgang Nieswandt und der Landrat einig: Die am 30. April 2002 feierlich gegründete Hospizstiftung Bergstraße (HSB) will  so schnell wie möglich ein stationäres Hospiz mit mindestens acht Betten eröffnen, damit todkranke Menschen in Würde sterben können. Als geeigneter Standort gilt Bensheim. 

Dazu braucht es aber eine geeignete Immobilie. „Das sollte unsere erste Aufgabe sein", bringt es Landrat Wilkes auf den Punkt. Der Verwaltungschef bekräftigte bei dem knapp zweistündigen Treffen, dass es die HSB erheblich leichter haben wird, Spenden zu sammeln, wenn erst mal ein Gebäude gefunden ist. Damit die HSB – der Kreis Bergstraße hat sich mit 250 000 Euro beteiligt – „ihr" Haus bekommt, hofft Landrat Wilkes auch auf die tätige Mithilfe der kreisangehörigen Städte und Gemeinden. Potenzielle Partner können aber auch wohlhabende wie wohlmeinende Menschen sein. 

Bei dem Meinungsaustausch wurde aber beileibe nicht nur darüber gesprochen, dass die HSB im Ergebnis ein Stiftungskapital von bis zu zwei Millionen Euro braucht, um die trotz Zuwendungen der Kassen verbleibende Finanzierungslücke zum Betrieb des stationären Hospiz samt der ambulanten Angebote zu sichern. Zuallererst ging es bei dem Gespräch um die tagtägliche Arbeit der Hospizgruppen und den großen Einsatz der ehrenamtlichen Helfer bei der Betreuung von Sterbenden und der Trauerarbeit mit Angehörigen.  

Im Kreis Bergstraße arbeiten flächendeckend acht Gruppen in allen Regionen: Die größte Gruppe ist der Hospiz-Verein Bergstraße in Bensheim mit knapp 200 Mitgliedern und bisher fünfzig ausgebildeten Hospizhelfern. Die Hospiz-Initiative im Ried kümmert sich um die Gemeinden zwischen Lampertheim bis Groß-Rohrheim. Wegen der Nähe zu Mannheim kommt der Hospiz-Gruppe Viernheim eine Sonderrolle zu. Die übrigen Gruppen sind im Odenwald, Überwald und hessischen Neckartal engagiert. Es handelt sich um die Hospizhilfe Birkenau-Reisen, die Hospizhilfe beim evangelischen Pfarramt Lindenfels, die Hospizgruppe der Diakoniestation und der Caritas-Sozialstation Neckarsteinach, die Hospizhilfe Mörlenbach bei der Caritas-Sozialstation Mörlenbach und die Hospizdienste im Evangelischen Dekanat Bergstraße-Süd in Wald-Michelbach. 

Die Sozialministerin sicherte den Vertretern der ambulanten Hospizgruppen zu, bei dem für Ende Januar vereinbarten Treffen mit den Krankenkassen die Schwierigkeiten bei der Bewilligung von Zuschüssen zur Sprache zu bringen. Allesamt haben sie das ganz praktische Problem, dass es bei der Förderung der als dringlich eingestuften hauptamtlichen Koordinierungsstellen bürokratische Hürden gibt. Selbst wenn es mit dem Antrag noch klappt, tut sich spätestens bei der verlangten Vorfinanzierung für die in der Regel kleinen Gruppen ein unüberwindbares Hindernis auf. 

Ministerin Lautenschläger hält deshalb Kooperationen und Vernetzung vonnöten, damit sich mehrere kleinere Gruppen eine hauptamtlich besetzte Koordinierungsstelle teilen. „Das ist allemal besser als im Land verteilte dezentrale Koordinierungsstellen", war sich Lautenschläger mit ihren Gesprächspartnern einig. Die Kooperation soll sich aber nicht nur auf die Hospizgruppen untereinander beschränken, sondern auch die Alten- und Pflegeheime einbeziehen, wo alte und kranke Menschen alleine und häufig vereinsamt ihre letzten Tage verbringen.

Zu der Praxis gehört eben auch, dass in den Alten- und Pflegeheimen über die übliche Betreuung hinaus geleistete Begleitung von den Kassen ebenso wenig bezahlt wird wie die Betreuung von Frühgeborenen. Während das eine als Inklusiveleistung bewertet wird, passt das zweite bei den Kassen in kein „Leistungsmodul". Für Sozialministerin Lautenschläger gleichfalls ein Ansatz für das Gespräch mit den Krankenkassen und der KASA. Das Kürzel steht für die Koordinierungs- und Ansprechstelle für Dienste der Sterbe- und Angehörigenbetreuung. Als Problem hat sich gezeigt, dass der mit den großen Verbänden der Wohlfahrtspflege geschlossene Rahmenvertrag die Ansprüche der kleineren Gruppen und Vereine schlicht übersehen hat.

Der Vertrag läuft 2005 aus – mithin die Chance, dass die vor Ort geleistete professionelle ehrenamtliche Hospizarbeit so gefördert und unterstützt wird, wie dies notwendig ist.


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